Burg Rabenstein

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1235 bis 1251 Bau der Burg Rabenstein

" Nach dem Eingehen der Burgward Rädigke um 1200 entstand bald darauf am Fuße der Veste Rabenstein der Flecken Raben (Oppidum damals, jetzt Dorf Raben). Dieser zog die alte Gerichtsbarkeit von Rädigke über seine 15 Flämingdörfer an sich, das Gericht ward nun der Feste Rabenstein übertragen, woraus ein besonderes für sich bestehendes, landesherrschaftliches Amt, wie es 1400 der Fall war, hervorging. Auffallend ist es, daß sogar die Rabener Pächte nach Rädigke abgeben." Brandt 1837

Während viele Burgen an den Stellen errichtet worden sind, an denen schon Anlagen aus slawischer Zeit existierten, die eingenommen sind, wird es sich bei der Burg Rabenstein auf dem "Steilen Hagen" um einen Neubau handeln. Außer zur Verteidigung gegen äußere und innere Feinde dient die Burg als zentraler Speicher für die Abgaben, welche die Bauern zu leisten haben und als Waffendepot.

Der Platz für die Burg liegt an dem kürzesten Weg durch den Bergeinschnitt beim Steilen Hagen von Wittenberg nach Belzig und weiter nach Brandenburg. Der Bau einer Burg auf dem Steilen Hagen sichert diesen.

Vor dem Bau der Burg gibt es von Wittenberg nach Belzig einen Weg über Niemegk, der weiter ist und sehr nahe an das östliche Gebiet des Erzbischof von Magdeburg herankommt und einen zusätzlichen, der durch die Furt in Rädigke führt, aber nicht so gut mit einer sicheren Höhenburg zu überwachen ist.  Außerdem sind Burgen dieser Art in Mode gekommen.

Unter Leitung einer fachkundigen Handwerkermannschaft, Burgenbauer und Handwerker - Zimmerleute, Steinmetze, Schmiede-, und Ausnutzung der Arbeitskraft der Bevölkerung wird sich der Bau der Burg der Scheunen, der Wohngebäude und der Verteidigungsanlagen über Jahre bis Jahrzehnte hingeziehen. Die unterworfene slawische Bevölkerung (die im Unterschied zu den deutschen Kolonisten Frondienste zu erbringen hat) der 15 Fläming-Dörfer (alle südlich der Plane gelegen!) wird zum Bau der Burg herangezogen.

Auch die Rädigker Bauern müssen ran. Allerdings müssen sie erst mal einen Weg durch das sumpfige Gebiet anlegen, etwa da wo ihr geheimer Pfad, auf dem sie früher flüchteten, geführt hat. Über das Quellgebiet südwestlich des Ortes mussten sie einen Übergang schaffen. Unter Mithilfe der Kolonisten wurden die Sümpfe trockengelegt.

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Wer ein Fuhrwerk hat, muss Erdmassen weg transportieren und Baumaterial, Holz und Feldsteine, heranfahren, wer kein Fuhrwerk hat, hat Handdienste leisten, Gräben für Fundamente ausheben, Steine holen, Steine abladen, Winden antreiben und viele andere schwere Arbeiten ausführen. In Anbetracht der fehlenden Maschinen werden riesige Erdbewegungen durchgeführt. Für die damaligen Bauten ist viel Holz notwendig, es muss geschlagen, entrindet, transportiert und zugehauen werden, ohne Maschinen eine unvorstellbar harte Arbeit. Diese Schufterei "Fronarbeit", wird unter der Anleitung erfahrener Spezialisten (die in Bauhütten zusammengeschlossen sind), ausgeführt, die eigens hierzu herangeholt werden.

Die Handwerker wohnen im Tal (im jetzigen Raben) in kleinen "Baubuden" in einem Bauhüttendorf. Die Verpflegung dieser Leute wird von der unterworfenen Bevölkerung gestellt. Der Bau der Burg zieht sich über viele Jahre hin, deshalb bringen die Handwerker ihre Familien mit und richten sich so gut es geht ein. Raben, der Ort am Fuß des Rabensteins, blüht in der Bauphase zum Städtchen auf und erhält sogar Marktrecht.

Bei Höhenburgen, wie dem Rabenstein, stellt die Wasserbeschaffung ein Problem dar. Zwar kann der Regen in Zisternen aufgefangen werden, aber nach längeren Trockenperioden wird das Wasser knapp. Der Mangel an Wasser auf dieser Anhöhe erfordert bei einer größeren Burgbesatzung den Bau eines Brunnens. Es muss 75 m tief bis hinunter zum Grundwasserspiegel gegraben werden. Der Brunnen existiert noch heute. Unklar ist, warum der Brunnen heute außerhalb der Befestigungsmauern liegt. Sieht man in ihn hinein (nur 17 m sind bisher freigelegt), kann man sich die Mühe, die hier aufgewendet werden musste, nur in etwa vorstellen! Es wird gesagt (von Ansess), dass es ebenso teuer ist, einen Brunnen dieser Art zu graben, wie eine Burg zu bauen.

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Mühselig werden viele Eimer Wasser zur Stillung des Durstes auf der Burg aus dem Brunnen heraufgezogen. Bei Belagerungen der Burg, die in der Geschichte oft genug vorkommen, ist der Brunnen überlebenswichtig. Das Vieh, das in den Schlosshof getrieben wird, damit die Fleischversorgung der zusätzlich verstärken Burgbesatzung gewährleistet ist, muss getränkt werden. Bei Beschuss des hauptsächlich aus Holz gebauten Schlosses mit brennenden Pfeilen muss Löschwasser zur Verfügung stehen.

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Im Schutze der Burg siedeln - wie an anderen Stellen im Fläming auch - Bauern mit ihren Familien, die aus dem Westen (u.a. aus Flamen), die evt. durch Lokatoren (den späteren Dorfvorstehern) hergeführt werden, mit dem Angebot Land zu bekommen, das sie aber selbst urbar machen müssen.

Burg-Kapelle

Raben ist für die Bauern bestimmt nicht so attraktiv. Die Plane führt weitaus mehr Wasser als heute, entspringt oberhalb des Dorfes in einem breiten Quellgebiet, dort und im Tal ist es sicher recht sumpfig. In naher Nachbarschaft sind die Dörfer Rädigke, und die jetzt wüsten Dörfer Wulkow, Leisdorf, Zehnsdorf, Görsdorf, Wilzhagen, Lüttgen Lühnsdorf und später zwischen Raben und Rädigke auch noch Neu-Niemegk (siehe Berghaus S.601), welche die weitere Ausdehnungen zuerst begrenzen.

Für Gastwirte und Händler wird es ein geeigneter Standort sein, nahe der Burg an der Kreuzung der Straßen von Wittenberg nach Belzig und von Wiesenburg nach Niemegk weiter nach Treuenbritzen und Jüterbogk. Durchreisende, die Handwerker und die Mannschaft der Burg werden hier viele Silberpfennige ausgeben, denn sie werden entlohnt. Die slawische Landbevölkerung "gehört" dem Grafen, sie leistet Abgaben und Frondienste. Auch für die Errichtung einer Mühle ist die Stelle günstig, denn damals ist ausreichend Wasser vorhanden. Für die Versorgung der Menschen auf der Burg muss viel Korn gemahlen werden.